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02.05.2013Experten warnen: Deutschland könnte Chancen der Bioökonomie verpassen
Anhaltend hohe Preise für fossile Rohstoffe und ein hoher Ausstoß klimaschädlicher Gase machen eine Abkehr von der Nutzung fossiler Ressourcen unabdingbar. Mit neuen Technologien kann der Umstieg auf nachwachsende Rohstoffe gelingen. Doch Deutschland droht die Chancen dieses Wandelszur biobasierten Wirtschaft zu verpassen. Davor warnt der Bioökonomierat auf seiner dritten Sitzung in Berlin. "Nachhaltiges Wirtschaften auf Basis erneuerbarer natürlicher Ressourcen wird zu einem entscheidenden Faktor im internationalen Wettbewerb werden", so der Vorsitzende des Bioökonomierates Prof. Dr. Joachim von Braun auf der Tagung in Berlin. "Um international den Anschluss nicht zuverlieren, müssen jetzt genauso rasche wie langfristig orientierte politische Maßnahmen ergriffen werden", sagte Prof. Dr. Christine Lang, Vorsitzende des Rates.

In Berlin stellte der Rat Vertretern von sieben Bundesministerien ein Eckpunktepapier vor, in denen er Aktionsfelder mit dringendem Handlungsbedarf identifiziert. Die 18 Experten sprechen sich für die konsequente Förderung von Forschung und Entwicklung aus. Aber auch neue Aus- und Weiterbildungskonzepte müssen etabliert werden, um Fachkräfte für eine sektorübergreifende Disziplin wie die Bioökonomie zu gewinnen. "In der biobasierten Wirtschaft sind vor allem Systemdenker gefragt, die sowohl über naturwissenschaftliches als auch ökonomisches Wissen verfügen", so Lang. Zudem wurde die Politik aufgefordert, Innovationshemmnisse zu beseitigen, indem sie passende Rahmenbedingungen schafft. Dazu gehört auch ein innovationsfreundliches Klima in der Gesellschaft, wozu der Rat mit Hilfe eines offenen Dialogs selbst beitragen möchte.

Zwar sieht der Rat Deutschland in einer technologischen Spitzenposition in der Bioökonomie – nicht zuletzt dank der "Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030", die von der Bundesregierung vor drei Jahren aufgelegt wurde. Andere Länder haben bei der Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse jedoch mehr Mut bewiesen. "In Deutschland müssen die Chancen einer biobasierten Wirtschaft konsequenter ergriffen werden. Ohne entsprechende Umsetzung verlieren wir weiter an Boden. Die Bioökonomie ist ein wichtiger Teil einer zukunftsorientierten Industriestrategie", betonte von Braun. Im internationalen Wettbewerb steht Deutschland nicht nur mit anderen technologisch hoch entwickelten Staaten. Auch klimatisch günstiger gelegene Länder mit großem Angebot an Biomasse spielen ihre Stärken in der Rohstoffbasis aus.

Neue wissensbasierte Produkte aus nachwachsenden Ressourcen, nachhaltige Prozesse und Dienstleistungensind die Chance für Deutschland in diesem Umfeld, sie bieten einen Mehrwert für die heimische Industrie und versprechen darüber hinaus umfassende Exportchancen. Damit ist die biobasierte Wirtschaft ein zukunftsfähiger Standortfaktor. Bereits heute werden in Europa mit Verfahren auf Basis nachhaltiger Ressourcen 2 Billionen Euro Umsatz erwirtschaftet. 22 Millionen Arbeitskräfte sind in der Bioökonomie beschäftigt. Das Umsteigen von fossilen auf nachwachsende Ressourcen ist zudem mit positiven Auswirkungen auf Klima und Umwelt verbunden.

Quelle: Bioökonomierat

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